September 2021

Jüdische Identität im Kontext europäischer Kultur-Geschichte

Workshop am 18./19. September 2021

Wir freuen uns, dass wir einen Programmpunkt unseres Projektes umsetzen  und am 18./19. September 2021 einen Room 28 Bildungs-und Zukunfts-Workshop im ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum "Clara Sahlberg" in Berlin-Wannsee durchführen konnten.

Der Workshop mit Teilnehmern aus unterschiedlichen Bereichen (Mitglieder des Vereins Room 28, Pädagog*innen, Künstler, Filmschaffende) war ausgesprochen konstruktiv und bedeutete für unsere Sache und für uns als Verein ein erfreulicher Aufschwung. Die zentrale Frage: Wie geht es weiter mit Room 28 e.V., dem Room 28 Bildungsprojekt und unserem Wunsch, das Vermächtnis der Mädchen von Zimmer 28 zu erhalten und jungen Generationen zu vermitteln, führte zu überraschenden Ideen und  zu einer konstrukiven Kooperation mit einer Schule, mit der wir gemeinsam das Projekt "Die Mädchen von Zimmer 28 und Brundibár" für 2022/2023 vorbereiten.

Veranstaltung zum Holocaust Gedenktag

Inzwischen ist auch ein Termin für unsere Veranstaltung, Höhepunkt des Projektes, festgelegt worden. Mit der Botschaft der Tschechischen Republik wurde vereinbart, unser Programm so zu gestalten, dass es ebenso ein Beitrag zum Holocaust-Gedenktag ist. Schwerpunkt wird eine musikalisch-szenische Lesung zur Geschichte der Mädchen von Zimmer 28 und dem Tagebuch von Helga Pollak sein.

Dienstag, 25. Januar 2022

Botschaften der Mädchen von Zimmer 28,

Theresienstadt

Musikalisch-szenische Lesung  mit dem Berliner Ensemble Zwockhaus und weiteren Mitwirkenden, u.a. auch ein Chor einer Berliner Schule. 

Konzept, Autorin, Projektleitung: Hannelore Brenner. Kooperationspartner/Veranstaltungsort:

Botschaft der Tschechischen Republik, Berlin

Winfried Radeke, Andreas Jocksch, Maria Thomaschke

In den letzten Jahren mit dabei: Nikolai Orloff am Klavier. Der aus Minsk stammende Pianist, der seit 1997 in Berlin lebt, ist seit 2009 Lehrbeauftragter für musikalische Arbeit im Studiengang Musical/Show der Universität der Künste und seit 2011 Dozent für Liedinterpretation an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“.

 

Das Ensemble „Zwockhaus“ nimmt sich der im Dritten Reich verfolgten, vertriebenen und ermordeten Musikschaffenden und Textdichter/innen an. Aus ihren zahlreichen Programmen mit Songs der 1920er und 30er Jahre wird das Ensemble unter der Leitung von Winfried Radeke "The Best of..." zum Kingen bringen.

Winfried Radeke (Regisseur, Pianist, Komponist, Mitbegründer der Neuköllner Oper),  der all die Lieder erforschte, sie neu arrangierte und sie über ein Jahrzehnt gemeinsam mit Maria Thomaschke (Interpretin) und Andreas Jocksch (Interpret) auf die Bühne brachte, moderiert das Programm und sucht Antworten auf die Frage: Gibt es "das Jüdische" in den Werken dieser Musikschaffenden der 1920er und 1930er Jahre und wenn ja, worin besteht es? Inwieweit spielt das europäische und das kosmopolitische Moment eine Rolle, wodurch manifestiert es sich? Wie veränderte sich das Schaffen dieser Musiker im Spannungsfeld von Aufklärung, Assimilation und zunehmender Ausgrenzung in den 1930er Jahre?

Wäre Hitler nicht gewesen, hätte das Judentum für viele der „Mädchen von Zimmer 28, Ghetto Theresienstadt, L 410“ keine besondere Rolle gespielt. Sie kamen aus assimilierten Familien. Erst durch die fortschreitende Entrechtung mussten sie sich fragen: „Was ist schlecht daran, eine Jüdin zu sein?“

 

Fragen wie die von Anna Hanusová (1930-2014) stehen im Mittelpunkt unserer  szenisch-musikalischen Lesung, die von der Geschichte der "Mädchen von Zimmer 28" erzählen und Einblick in das authentische Theresienstädter Tagebuch von Helga Pollak geben.  Auch Fragen wie: Was ist jüdisch an der Musik sogenannter jüdischer Komponisten und Librettisten der 20er und 30er Jahre? werden anklingen. Dabei wird der Bogen gespannt von Künstlern der 20 und 30er Jahre (Friedrich Holländer, Kurt Weill, Mischa Spoliansky, Oscar Strauß, Richard Heymann)  bis hin zu Theresienstädter Komponisten und Textdichtern des Theresienstädter Kabaretts und Lieder von Ilse Weber.

Exodus. Von Viktor Naimark

Viktor Naimark. Das Jüdische in der europäischen Kunst

Kunst-Ausstellung

 

Jüdische Identität im Kontext europäischer Kultur-Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und der Gegenwart - dieses Topos wird bei unserem Projekt in unterschiedlichen Genres – Musik (Ensemble Zwockhaus), Theater (Regisseur Olek Witt) und Bildende Kunst (Viktor Naimark) – und vor dem Hintergrund der Geschichte der „Mädchen von Zimmer 28“ zum Klingen und zum Leuchten kommen.
Viktor Naimark ist der Sohn eines der "Mädchen von Zimmer 28", Evelina Merová. In seiner Kunst spiegelt sich die Auseinandersetzung mit seinen jüdischen Wurzeln, mit jüdischer Tradition, Kunst, Kultur und Geschichte im europäischen Kontext.

1991 übersiedelte Viktor Naimark von St. Petersburg nach Frankfurt am Main,  wo er als freischaffender Künstler tätig ist. Seine Werke zeugen von intensivem Schaffen und einer passionierten Auseinandersetzung mit seiner jüdischen Identität. „Ich begreife die jüdische Kultur nicht als ein geschlossenes folkloristisches Element, sondern als Teil der europäischen Kunstgeschichte.“

Als Beitrag zum „Festjahr 2021 – 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ wird Viktor Naimark eine Reihe von fotografisch-bildnerischen Installationen erschaffen, die alttestamentarische Geschichten, mythologische Motive, Elemente und Themen in eine moderne zeitgenössische Formensprache verwandeln und eine Kunst zum Leuchten bringen, die sowohl sein Verwurzelt-Sein in der jüdischen Kultur und Geschichte wie auch sein Beheimatet-Sein im großen freien Raum europäischer Kunst und Kultur und seinen Dialog zwischen diesen Welten bezeugen. Dass es in der geistig-künstlerischen Sphäre nicht um Abgrenzung und Festschreibung und schon gar nicht um Klischees geht, sondern viel mehr um Transzendierung des Vordergründigen, um Sichtbarmachung des Gehalts, des Sinns und der vielen offenen Fragen dahinter - diese Überzeugung korrespondiert mit Naimarks künstlerischer Technik, die sich zwischen figürlichen und abstrakten Darstellungen bewegt und eine Illusion der Räumlichkeit, der Perspektive und Farbe schafft. Viktor Naimark, Ein jüdischer Künstler. Jüdisches Europa

Hannelore Brenner. Olek Witt. Musikalisch-Szenische Performance mit jungen Menschen

Theater. Musikalisch-szenische Performance

Das seit 2004 gewachsene multimediale Erinnerungs- und Kulturprojekt basiert auf vier Grundelementen: dem Buch, dem Theaterstück und der Ausstellung „Die Mädchen von Zimmer 28“ und auf dem originalen Theresienstädter Tagebuch von Helga Pollak-Kinsky.

Basieriend auf einer von  Hannelore Brenner entwickelten Textvorlage in Verbindung mit  O-Tönen der Überlebenden von Zimmer 28 vermitteln wir in Form einer szenisch-musikalischen Darbietung in der Regie von Olek Witt mit jungen Menschen die Botschaften der "Mädchen von Zimmer 28". Wir machen die große pädagogische, künstlerische und menschliche Strahlkaft der Geschichte dieser Mädchen erlebbar - Zimmer 28, eine Keimzelle der Menschlichkeit.

Zwischen 2004 und 2017 vermittelte Hannelore Brenner in unzähligen Lesungen, gemeinsam mit Überlebenden von Zimmer 28, im Besonderen mit der Tagebuchschreiberin Helga Pollak-Kinsky, die Geschichte dieser Mädchen. Olek Witt nahm sich ab 2014 in drei Theater-Produktionen der Geschichte der "Mädchen von Zimmer 28" und dem Theresienstädter Tagebuch von Helga Pollak-Kinsky an und brachte das Thema auf innovative Weise auf die Bühne.

Ensemble "Zwockhaus"

Musik. The Best of... Friedrich Holländer, Kurt Weill, Mischa Spoliansky, Oscar Strauß, Musiker der Familie Fall, Paul Abraham,  Richard Heymann, Willy Rosen:

Informationen zum Programm der Room 28 Projects & Zwockhausmit dem Tagebuch von Helga Pollak-Kinsky im Mittelpunkt, finden Sie hier.

Room 28 Education

Das Room 28 Bildungsprojekt ist ein eigenständiges, internationales Projekt. Es gibt daher eine eigene Website: www.room28education.net

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