Januar 2022

Jüdische Identität im Kontext europäischer Kultur-Geschichte

Ein Beitrag von Room 28 e.V. zum Festjahr 2021

Exodus. Von Viktor Naimark

Jüdische Identität im Kontext europäischer Kultur-Geschichte - dieses Topos wird bei unserem Projekt in unterschiedlichen Genres – Musik (Ensemble Zwockhaus), Theater (Regisseur Olek Witt) und Bildende Kunst (Viktor Naimark) – zum Klingen und zum Leuchten kommen. Im Fokus der szenisch-musikalischen Veranstaltungen stehen die Botschaften der Mädchen von Zimmer 28.

Film zum Projekt und Veranstaltung am 25.1.2022

Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, die Filmproduktion zeitgebilde als unsere Partner für die filmische Dokumentation unseres Projektes, auch zukunftiger Teilprojekte und Aktivitäten, zu gewinnen. Der folgende Link führt zu unserem ersten Film, eine Einstimmung in unsere Veranstaltung mit und in der Botschaft der Tschechischen Republik.

Dienstag, 25. Januar 2022, 18.00 - 19.30h

Kooperationspartner/Veranstaltungsort:

Botschaft der Tschechischen Republik, Berlin

Wilhelmstr. 44, D-10117 Berlin

 

Botschaften der Mädchen von Zimmer 28

Musikalisch-literarische Lesung mit dem Berliner Ensemble Zwockhaus.

Mit Liedern von Ilse Weber und des Theresienstädter Kabaretts

Grußwort: S.E. Botschafter Tomáš Kafka

 

Es lesen:  Magdalena Scharler (Helga Pollak), Andreas Jocksch (Otto Pollak), Maria Thomaschke (Rezitatorin), Hannelore Brenner (Erzählerin)

Es singen: Maria Thomaschke, Andreas Jocksch

Am Klavier: Nikolai Orloff.  Leitung Zwockhaus: Winfried Radeke

Autorin, Konzept, Projektleitung: Hannelore Brenner

Anmeldung über Eventbride - -mit 2G-Nachweis (geimpft, genesen) und Maske. https://www.eventbrite.de/e/botschaften-der-madchen-von-zimmer-28-registrierung-238169961767

Die Veranstaltung in der Botschaft der Tschechischen Republik ist die Auftaktveranstaltung unseres Projektes Jüdische Identität im Kontext europäischer Kultur-Geschichte und ist den Botschaften der Mädchen von Zimmer 28 und dem Theresienstädter Tagebuch von Helga Pollak gewidmet.

Unsere Veranstaltung ist auch ein Beitrag der Botschaft der Tschechischen Republik und Room 28 e.V. zum Holocaust-Gedenktag.

Wien, Matinee mit Helga Kinsky, Hannelore Brenner, Zwockhaus. 27.1.2017 Foto: Bundespräsidialamt Österreich

Zwockhaus

Winfried Radeke mit Helga Kinsky bei ihrem 80. Geburtstag in Wien. 28. 5. 2010

Spiritus rector des Ensembles Zwockhaus ist Winfried Radeke (*1940), Regisseur, Pianist, Komponist, Mitbegründer der Neuköllner Oper und des Vereins musica reanimata. Seit vielen Jahren erforscht er das Schicksal der im Dritten Reich verfolgten, vertriebenen und ermordeten jüdischen Komponisten und Textdichter, arrangierte deren Kompositionen neu und brachte sie zusammen mit Maria Thomaschke und Andreas Jocksch (Interpreten) zur Aufführung.

Nikolai Orloff

Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Lieder von Ilse Weber und das Kabarett in Theresienstadt. Darin wurzelt auch der Name: „Zwockhaus“ - im Ghetto Theresienstadt wusste man genau, was dies bedeutete. Zwock ist tschechisch für verrückt, irre.

Viele Jahre begleitete Winfried Radeke die Lieder am Klavier. Inzwischen ist Nikolai Orloff Teil des Ensembles. Der aus Minsk stammende Pianist, der seit 1997 in Berlin lebt, ist seit 2009 Lehrbeauftragter für musikalische Arbeit im Studiengang Musical/Show der Universität der Künste und seit 2011 Dozent für Liedinterpretation an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“.

Viktor Naimark. "Das Damals im Heute"

Papierinstallationen, Bilder und Collagen von Viktor Naimark zum Thema "Jüdische Identität im Kontext europäischer Kultur-Geschichte.“

Ausstellung im Kunstraum Neureut

Karlsruhe 13.3. - 10.4. 2022

 

Wir freuen uns, dass der KUNSTRAUM  Neureut die Ausstellung von Viktor Naimark im Frühjahr 2022 in ihr Programm aufgenommen hat und damit zu unserem Kooperationspartner wurde.

Evelina Merová mit ihren Kindern Irene und Viktor. Prag, 28.10.2013

Viktor Naimark ist der Sohn eines der "Mädchen von Zimmer 28", Evelina Merová. Seine Kunst spiegelt die Auseinandersetzung mit seinen jüdischen Wurzeln, mit jüdischer Tradition, Kunst, Kultur und Geschichte im europäischen Kontext. 1991 übersiedelte Viktor Naimark von St. Petersburg nach Frankfurt am Main,  wo er als Bildender Künstler tätig ist. Seine Werke zeugen von intensivem Schaffen und einer passionierten Auseinandersetzung mit seiner jüdischen Identität. „Ich begreife die jüdische Kultur nicht als ein geschlossenes folkloristisches Element, sondern als Teil der europäischen Kunstgeschichte.“

Als Beitrag zum „Festjahr 2021 – 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ erschafft Viktor Naimark eine Reihe von fotografisch-bildnerischen Installationen, die alttestamentarische Geschichten, mythologische Motive, Elemente und Themen in eine moderne zeitgenössische Formensprache verwandeln und eine Kunst zum Leuchten bringen, die sowohl sein Verwurzelt-Sein in der jüdischen Kultur und Geschichte wie auch sein Beheimatet-Sein im großen freien Raum europäischer Kunst und Kultur und seinen Dialog zwischen diesen Welten bezeugen. Dass es in der geistig-künstlerischen Sphäre nicht um Abgrenzung und Festschreibung und schon gar nicht um Klischees geht, sondern viel mehr um Transzendierung des Vordergründigen, um Sichtbarmachung des Gehalts, des Sinns und der vielen offenen Fragen dahinter - diese Überzeugung korrespondiert mit Naimarks künstlerischer Technik, die sich zwischen figürlichen und abstrakten Darstellungen bewegt und eine Illusion der Räumlichkeit, der Perspektive und Farbe schafft.

Viktor Naimark, Ein jüdischer Künstler. Jüdisches Europa

Warum Viktor Naimark (*1963) als Sohn einer jüdischen Mutter aus Prag in Leningrad/St. Petersburg geboren wurde und dort bis zu seiner Übersiedlung nach Deutschland 1991 lebte, erzählt die außergewöhnliche Autobiographie seiner Mutter "Lebenslauf auf einer Seite. Prag - Theresienstadt- Auschwitz-Birkenau - Leningrad". Mehr erfahren Sie hierüber auf: Edition Room 28

Aus "Lebenslauf auf einer Seite" von Evelina Merová
Viktor Naimark Nachwort.pdf
PDF-Dokument [87.2 KB]

Musikalisch-Szenische Performance mit Schüler*innen des Gymnasium Heide-Ost, Juni 2022

Helga Kinsky mit Olek Witt, August 2019 in Wien

Regie: Olek K. Witt

Olek Witt nahm sich ab 2014 in drei Theater-Produktionen der Geschichte der "Mädchen von Zimmer 28" und dem Theresienstädter Tagebuch von Helga Pollak-Kinsky an und brachte das Thema auf innovative und berührende Weise auf die Bühne. Siehe hierzu: Brief an Helga

Olek Witts besonderes Anliegen ist es, die Geschichte dieser Mädchen jungen Menschen zu vermitteln, was ihm in mehreren Produktionen erfolgreich gelang. Als Programmpunkt unseres Projektes "Jüdische Identität" wird er mit Schüler*innen des Gymnasiums Heide-Ost in einem Theater-Workshop eine multimediale Performance erarbeiten, die im Juni 2022 im Rahmen der Austellung "Die Mädchen von Zimmer 28" in Heide ebenfalls unter dem Leitmotiv "Botschaften der Mädchen von Zimmer 28" zur Aufführung kommen wird.

Dabei spielen auch Fragen wie die von Anna Hanusová (1930-2014) eine zentrale Rolle: "Was ist schlecht daran, eine Jüdin zu sein?“ Und: Was ist das überhaupt: jüdisch? Was bedeutete dieses Wort vor und während der Naziherrschaft - für die einzelnen Individuen, für die Gesellschaft, für die NS-Ideologie, für unsere Geschichte... Und was bedeutet das Wort jüdisch heute? Für junge Menschen?

Siehe hierzu: Room 28 Manifest

Workshop am 18./19. September 2021

Foto: Ivan Nemec, cfa design

Einen Programmpunkt des Projektes "Jüdische Identität" haben wir bereits umgesetzt. Am 18./19. September 2021 kamen wir zu einem Room 28 Bildungs- und Zukunfts-Workshop im ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum "Clara Sahlberg" in Berlin-Wannsee zusammen.

Der Workshop mit Teilnehmer*innen aus unterschiedlichen Bereichen (Mitglieder des Vereins Room 28, Pädagog*innen, Künstler, Filmschaffende) war ausgesprochen konstruktiv und bedeutete für unsere Sache und für uns als Verein einen erfreulichen Aufschwung. Die zentrale Frage: Wie geht es weiter mit Room 28 e.V., dem Room 28 Bildungsprojekt und unserem Wunsch, das Vermächtnis der Mädchen von Zimmer 28 zu erhalten und jungen Generationen zu vermitteln, führte zu überraschenden Ideen und  zu einer projektbezogenen Kooperation mit dem Gymnasium Heide-Ost. Gemeinsam mit Lehrern dieser Schule bereiten wir das Projekt "Die Mädchen von Zimmer 28 und Brundibár" (Ausstellung, Workshops, Schüler-Werkstattpreis und Aufführung der Kinderoper Brundibár) für 2022/2023 vor.

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